Bolle's Trainingstagebuch #01-2023
- LexiHuhu
- 4. Okt. 2023
- 5 Min. Lesezeit
Oh man. Nur weil die komische Zweibeinerin sich so schlecht merken kann, wann und wie sie an welchen lustigen Aufgaben mit mir gearbeitet hat, muss ich jetzt hier Tagebuch führen.
So ein Mist!
Ich hab eigentlich gar keine Zeit dafür!
Morgens brauche ich meine Zeit für's Frühstück, dann muss ersteinmal ein Verdauungsschläfchen her, dann geht's mit den Jungs auf die Koppel und mittags brauche ich meine Mittagspause, damit ich fit bin für die Koppelparty nachmittags. Abends will Frauchen dann immer irgendeinen Quatsch mit mir machen und danach gibt's schon wieder Essen.
Da hab ich doch eigentlich gar keine Zeit mehr, mir über das, was wir gemacht haben, nochmal Gedanken zu machen. Ist ja auch irgendwie Quatsch. Dann macht man's ja doppelt.
Aber egal. Wenn die das so will, dann tu ich ihr mal den Gefallen.
Also geht's mal los mit dem ersten Reittag nach Alex' Urlaub.
War ja schon irgendwie cool, als sie mich am Sonntag kurz auf der Koppel besuchen kam, um sich zurückzumelden und sich nach eeeeelendig langen zwei Wochen eeeeendlich von mir mal wieder anpusten zu lassen! Da hab ich sie vor Freude sogar ein bisschen angebrummelt und bin zu ihr getrabt. Sie war richtig happy, das war richtig toll!
Noch toller war es allerdings, dass sie mich gar nicht mitnehmen wollte, sondern ich mit den Jungs noch länger draußen bleiben konnte! :D
Am Montag war dann das kleine Spring-Mädchen mit mir in der Springstunde, da wurde ich von Frauchen auch nur geflauscht und gefüttert, und am Dienstag hatte ich frei, weil die nächsten Tage voll anstregend werden - mit Einzelstunden, Turniertraining, Turnier und so weiter!
Am Mittwoch ging es dann also los mit einer Einzelstunde - das ist immer richtig anstregend, weil ich mich noch doller konzentrieren muss, als sonst, und wir stehen unter dauerhafter Beobachtung! Wir fangen immer mit lockerem Schritt am hingegebenen Zügel an und ich kann mir die Halle noch genau anschauen, man weiß ja nie, was da als nächstes aus den Ecken gesprungen kommt. Außerdem kann ich so schon mal testen, ob Frauchen heute gute Laune hat. Sie war tatsächlich richtig entspannt - ihr Urlaub scheint ihr gut getan zu haben - und saß richtig locker im Sattel. Da hat mir selbst das Schrittgehen Spaß gemacht. Dann hat sie irgendwann vorsichtig die Zügel kürzer genommen. Dabei fällt es mir richtig schwer, gleichmäßig weiter nach vorne zu schreiten. Ich kann ja auch Travers und Schenkelweichen und Antraben finde ich auch besser und Kurzkehrt haben wir auch schon mal gemacht, da würde ich ihr am liebsten alles direkt zeigen, was ich so kann. Am Anfang der Reitstunde will sie das aber meistens gar nicht und daran müssen wir echt arbeiten. Wenn sie nicht gut drauf ist, verspannt sie sich dann mit mir mit und dann ist der Schritt ganz kaputt.. Das haben wir dieses Mal aber doch recht gut hinbekommen, sodass ich dann endlich traben durfte! Wir waren beide richtig locker und haben große gebogene Linien genutzt, damit ich noch schöner an beide Zügel herantrete. Das ist wirklich schwierig manchmal. Beim Umstellen musste Frauchen sich dann darauf konzentrieren, mich erst mit dem neuen inneren Schenkel zu kitzeln, bevor sie mich umstellt. Vor allem nach links gehts das sonst zu schnell, und nach rechts schleudere ich immer um die Kurve. Als das gut geklappt hat, haben wir Schlangenlinien durch die Bahn mit Übergängen zum Schritt kombiniert und dabei sollte ich mich direkt vorwärts-abwärts dehnen. Frauchen hat das nach zwei-dreimal testen gut hinbekommen, direkt mit den Zügeln vorzugehen, denn sonst fühle ich mich vorne so gebremst. An das Gebiss heranzuschieben fällt mir ja, wie gesagt, im Schritt nicht so leicht. Wenn Frauchen sich auf's gerade sitzen, treiben und Zügel gleichmäßig vorgeben konzentriert, hat das heute aber richtig gut geklappt! Sonst nicht. Aber da kann ich ja nix für.
Wir haben das dann auch noch auf anderen Linien ausprobiert und das hat auch gut funktioniert, sodass wir direkt mit der Galopparbeit anfangen konnten. Am Galopp arbeiten wir im Moment ganz viel, denn Frauchen sitzt immer so verkampft, dass ich gar nicht richtig durchspringen kann. Und dieser Dressurgalopp fällt mir eh sehr schwer. Wir haben dann direkt die Aufgabe bekommen Galoppsprünge zu zählen und irgendwie kann die das nicht. Genau 10 Sprünge haben wir am Anfang gar nicht hinbekommen, dabei wusste ich genau, was zu tun war. Wenn die nicht richtig reitet, dann lass ich sie mal ackern. Ich kann ja nicht immer die ganze Arbeit alleine machen! Irgendwann ist ihr dann aufgefallen, dass sie nicht erst beim letzten Galoppsprung eine Parade geben sollte, sondern mir bestenfalls schon 2 Sprünge vorher Bescheid gibt, was sie vorhat! Danach mussten wir nämlich 9, dann 8, dann 7, dann 6, dann 5 und dann sogar nur 4 Sprünge zählen! Da mussten wir uns beide richtig konzentrieren!
Natürlich haben wir das am Ende hinbekommen, aber Frauchen muss da eeeeecht noch weiter dran arbeiten - also am zählen :D
Danach war die Aufgabe, auf der Mittellinie anzugaloppieren. Ich bin ja der Meinung, ich kann das schon super gut! Früher wusste ich immer nicht, wohin, aber mittlerweile hat Frauchen die richtigen Knöpfe gefunden und klemmt auch nicht mehr so auf mir herum. So richtig zufrieden war die Chefin nach den ersten Versuchen aber nicht, sodass wir das doch noch üben mussten. Nach links sollten wir im Travers auf der Mittellinie laufen - das kann ich richtig gut! - und daraus angaloppieren, nach rechts mussten wir erst eine Volte reiten, um daraus anzugaloppieren, da mir rechts die Stellung und Biegung so schwer fällt. Frauchen stellt sich rechts aber auch manchmal echt doof an.. Es liegt also nicht nur an mir. Wir haben das erst aus dem Trab gemacht, aber Frauchen war der Meinung, wir könnten das auch super aus dem Schritt.. Die hatte mir eindeutig zu gute Laune. Da kommt die immer auf solche Ideen. Die hat ja keine Ahnung, wie anstregend das ist! Natürlich hat sie die ersten Versuch dann auch direkt versemmelt, sodass wir nachher auf beiden Händen aus einer Kurzkehrt angaloppieren mussten. Man man man.. gerade Linien sehen anders aus. Irgendwann hat's dann aber doch noch geklappt und ich wurde erlöst.
Danach stand noch etwas Trabarbeit auf dem Plan, denn die Chefin will immernoch einen Mitteltrab für die nächste L-Dressur aus mir herauskitzeln.. Wenn Frauchen nicht klemmt und nicht schiebt und nicht die Zügel wegwirft und mit beiden Beinen dran bleibt, schaffe ich das auch manchmal.. sogar fast durch die ganze Diagonale. Bei einem Versuch hatte ich fast das Gefühl größere Schritte zu machen, als je zuvor, und wir fliiiieeeegen durch die Halle, da war sie auch so begeistert, dass wir danach aufgehört haben.. die Chefin hat sogar was von "Mitteltrab meines Lebens" geredet. Ha! Ich weiß doch, dass ich gut bin!

Dann war auch endlich Feierabend, und ich war richtig zufrieden mit mir. Frauchen hat sich insgesamt auch nicht schlecht angestellt und ich denke, ich habe mir jetzt ersteinmal mein Futter verdient. Frauchen war scheinbar ziemlich begeistert.. die kam aus dem schwärmen und kuscheln und loben gar nich mehr raus.
Verrücktes Weib!
Bis zum nächsten Mal!
Euer Bolle =)
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